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Satyricon (NO)

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Mi. 11.10.2017 Einlass: 19:30 h Beginn: 20:00 h
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In der extremen Metal-Szene, die ja per Definition Grenzen erweitern oder niederreißen sollte, ist in letzter Zeit genau das Gegenteil zu beobachten: Gerade dort, wo der Mainstream verpönt ist, entstehen immer mehr Sub-Genres, die sich über minimale stilistische Unterschiede definieren. Und das Wort Stil bezieht sich hierbei nicht einmal ausschließlich auf die Musik, es geht ebenso um Mode, das Auftreten, das Image. Norwegens Satyricon sind eine seltene Ausnahme von dieser Norm - sie haben sich nie um Trends gekümmert, es war ihnen egal, wie die Welt sie wahrnahm, und verabscheuen musikalische Stereotypen. Das Ergebnis ist eine bemerkenswerte Karriere, die mittlerweile achte Alben umfasst. Bei jedem einzelnen davon ging es, so banal das klingt, immer nur um die Musik, die den Hörer oft überraschte und gelegentlich herausforderte - was, um ehrlich zu sein, eine größere Befriedigung hervorruft als das Abarbeiten standardisierter Genre-Formeln. Vor allem aber zeigt Satyricons Karriere, was man als Künstler erreichen kann, wenn man stets zu seinen Prinzipien und Ambitionen steht. Satyr, die treibende Kraft hinter der Band, hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass es ihm nicht reicht, Satyricon als Lieblinge einer eng begrenzten musikalischen Subkultur zu etablieren. Sein Ziel war immer, Chef einer breit anerkannten und respektierten Metal-Band zu sein. Daran hat er in den vergangenen 15 Jahren gearbeitet, mit beeindruckenden Resultaten. Betrachtet man Satyricons bisheriges Œuvre, fällt sein geradezu ablehnender Charakter auf. Das mittelalterliche Fantasy-Szenario der ersten Alben wich rasch knochentrockenen, schieren Emotionen. Diese Band versucht, essenzielle Dinge auszudrücken - und hat sich dabei aller mehrdeutigen Metaphern entledigt. Ihre Musik ist ebenso essenziell, getragen von nüchternen, überzeugenden Melodielinien und der präzisen, mitreißenden Rhythmusarbeit von Schlagzeuglegende Frost, Satyrs langjährigem Weggefährten, wie zuletzt auf dem mit Kritikerlob überschütteten Album "Now, Diabolical". Jetzt heißt es also "Bühne frei" für den nächsten Akt: "The Age Of Nero". Zum größten Teil in einer tief in den norwegischen Wäldern gelegenen Hütte von Satyr in Zusammenarbeit mit seinem alten Freund Snorre Ruch (von der Band Thorns und selbst eine bedeutende Figur in der extremen Metalszene des Landes) geschrieben besteht es aus acht Songs, die ohne jede Frage nicht nur zu den härtesten in Satyricons Geschichte, sondern zu den härtesten im ganzen Heavy Metal gehören. Doch diese Härte ist kein Selbstzweck, sondern eine Notwendigkeit, die durch den treibenden Charakter der Songs diktiert wurde. Von der kompromisslosen Dringlichkeit, die 'Black Crow On A Tombstone' auszeichnet, über die epische Raserei von 'Die By My Hand' bis zum trostlosen Nihilismus von 'Den Siste' fordert jeder einzelne Song die maximal mögliche klangliche Intensität. Und hat sie bekommen, dank des songschreiberischen, spielerischen und produktionstechnischen Könnens, dessen Zeuge wir hier werden. Die meisten Instrumente wurden in Los Angeles aufgenommen, in so renommierten Studios wie dem "Sound City" (wo schon Metallica und Slayer ihre Drums einspielten), mit Satyr als Produzent und Joe Baresi (bekannt von seiner Arbeit mit Tool und Queens Of The Stone Age) als Tontechniker. In einer mutigen Abkehr von Satyricons üblicher Arbeitsweise wurden die Gitarren drastisch tiefer gestimmt, was den Songs noch mehr rohe Kraft verleiht. Frost liefert dazu ein beeindruckendes Fundament, die kontrollierte Aggression seines Schlagzeugspiels wirkt fast beiläufig und definiert den düster rockenden Charakter des Albums ebenso stark wie Satyrs stilbildende Gitarrenarbeit. Und bevor jetzt jemand Bilder von Sir Peter Ustinov in "Quo Vadis" vor sein inneres Auge beschwört, wie er die Leier in der Hand vor dem brennenden Rom singt: Der Titel des Albums hat einen ebenso vagen Bezug zur römischen Geschichte wie der Bandname zum römischen Dichter Petronius. Es ist keine Metapher, allenfalls, so Satyr, "ein freundliches Nicken in Richtung des Hedonismus im untergehenden römischen Reich", was in unserer Zeit der wachsenden Verdrängung der grimmigen Realität menschlicher Existenz durchaus angemessen erscheint. "Nero" ist das italienische Wort für "schwarz", und das fasst den Inhalt des Album am besten zusammen: die Dunkelheit, die in jedem von uns steckt, das, was übrig bleibt, wenn man all die kulturellen Konventionen, die Errungenschaften der Zivilisation, eliminiert. Es ist verlockend, Satyricons Musik "intelligenten Metal" zu nennen, und auf gewisse Art ist es sogar zutreffend: Man hört, dass jedes Detail der Musik und der Produktion sorgfältig geplant wurde, nie kommt das Gefühl von Improvisation, eines zufälligen Geniestreichs auf. Andererseits liegt im Kern nicht Technik, sondern Gefühl. "Die besten Songs schreiben sich selbst, ohne dass bewusste Entscheidungen involviert wären", erklärt Satyr. So betrachtet ist "The Age Of Nero" eher wie eine Naturgewalt, eine unmittelbare Übertragung unbewusster Kräfte und Zwänge in Töne. Und damit Heavy Metal in seiner erwachsensten Form - kein Eskapismus, keine Art des Frustrationsabbaus, sondern eine tiefgründige Erfahrung, wie es ist, in unserem zunehmend düsterer werdenden Zeitalter zu leben. Robert Müller (September 2008)



 

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