Do, 5. Nov 2015

FM4 Indiekiste presents FRISKA VILJOR

Eigentlich gehört Daniel Johansson nicht zu der Sorte Menschen, die nah am Wasser gebaut sind. Doch als er und seine Band Friska Viljor im Februar 2013 im ausverkauften Berliner Huxleys die bisher größte Show ihrer Karriere spielten, überkam es ihn: Das Intro von „Brothers Lionheart“ ertönte, die fünf Schweden schworen sich letztes Mal ein – und Johansson hatte Pipi in den Augen. „Wir hatten uns wochenlang auf dieses Konzert gefreut und praktisch über nichts anderes geredet“, erinnert er sich. „Oft wird man ja enttäuscht, wenn man zu große Erwartungen an etwas hat, aber diese Show hat all unsere Vorstellungen übertroffen. Am Ende sangen 1.600 Leute mit uns ‚Shotgun Sister’. So etwas hätten wir uns nie träumen lassen, als wir die Band gegründet haben.“

Das war im Jahr 2006. Daniel Johansson und sein bester Freund Joakim Sveningsson hatten damals beide schwersten Liebeskummer und beschlossen eines Nachts leicht angeschäkert ihn in Form von ein paar Songs zu vertonten. „Am Anfang war uns nicht einmal klar, dass wir eine Band gegründet haben“, lacht Johansson. „Aber bevor wir uns versahen, hatten wir genug Material für unser erstes Album ‚Bravo!’ zusammen.“ Eine aus befreundeten Musikern bestehende Live-Band war ebenfalls schnell gefunden, und obwohl Friska Viljor von den Medien nie gehypt wurden – weder in Deutschland, noch zuhause in Schweden – und stets ohne große Plattenfirmenbudgets auskommen mussten, erspielten sie sich mit ihrem unverschämt euphorischem Indie-Pop schnell eine treue Fangemeinde. Die beeindruckende Zwischenbilanz nach neun Jahren: Sechs Alben und knapp 500 Shows, von denen sie jede mit so viel Herzblut spielen, als sei es die Letzte. „Der Spaß und die Freundschaft, die uns verbindet“, so Johansson, „standen bei uns immer im Vordergrund.“

Daran hat sich bis heute nichts geändert – und trotzdem haben Friska Viljor sich den Aufnahmen ihres sechsten Albums „My Name Is Friska Viljor“ mit einer neuen Einstellung genähert. „Man könnte sagen, dass Joakim und ich als Bandleader erwachsen geworden sind“, so Johansson. „Wir haben zusammen mittlerweile fünf Kinder, sprich eine Familie, für die wir sorgen. Dadurch ist uns bewusst geworden, dass wir das Ganze noch ernster nehmen müssen, wenn es auf lange Sicht funktionierten soll. Ich will nicht, dass es nach Ausverkauf klingt, aber wir wollen Friska Viljor mit diesem Album auf ein neues Level heben. Und ich würde sagen wir haben in dieses Album so viel Kraft und Energie gesteckt, wie in alle fünf vorigen Alben zusammen.“

Bereits vor einem Jahr begannen Johansson und Sveningsson die ersten Songs zu schreiben, ab September waren sie dann täglich in ihrem kleinen Studio in Stockholm an der Arbeit. Zum ersten Mal holten sie für ein paar Tage auch Keyboarder Emil Nilsson sowie die beiden Original-Friska-Viljor-Mitglieder Markus Bergqvist (Schlagzeug) und Matthias Areskog (Bass) ins Studio. Und wenngleich das Ergebnis unverkennbar Friska Viljor ist, gibt es auf dem Album doch eine Menge neue Facetten im Bandsound zu entdecken. Gleich in mehreren Songs übernimmt Johansson den Gesang – zum Beispiel in der ersten Single „In My Sofa I’m Safe“, eine beschwingte Uptempo-Nummer über das Kinderkriegen und die Folgen für die persönliche Freiheit. Für „Painted Myself In Gold“ derweil luden Friska Viljor Lena Malmborg ins Studio ein, „My Boys“ überrascht mit Handclaps in der Strophe und Streichern im Refrain, und in „Danger In Front“ quiekt Sveningsson am Ende wie Robert Smith von The Cure im Sommerurlaub.

Überhaupt klingt „My Name Is Friska Viljor“ noch unbeschwerter, fröhlicher und vor allem poppiger, als man es von den Schweden bisher gewohnt war. Johansson weiß, warum. „Wir befinden uns einfach an einem ziemlich guten Punkt im Leben“, sagt er. Privat, aber auch beruflich, denn die Akustik-Tour, die Johansson und Sveningsson im Mai als Duo bestreiten und bei der sie die neuen Songs in intimem Rahmen erstmals live präsentieren, war innerhalb von weniger als vier Stunden komplett ausverkauft. „Ich dachte ja anfangs, das wäre ein technischer Defekt“, sagt Johansson ganz bescheiden. „Also rief ich unseren Booking-Agenten an und der klärte mich auf, dass die Karten tatsächlich so schnell vergriffen waren.“ Kein Wunder, denn ihre Live-Shows sind und bleiben die Quintessenz von Friska Viljor. Leidenschaft und Spielfreude werden bei vielen Bands angepriesen, aber keine schafft es so viel Euphorie und Liebe zu verbreiten wie Friska Viljor. Word. 

P.P.C. Graz
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