Do., 4. Feb. 2027
Mind over Matter presents The Intersphere
Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer Antwort, sondern mit einer Frage, die sich nicht mehr verdrängen lässt. Mit „Peopleized“ nähern sich THE INTERSPHERE genau einer solchen Frage: Was, wenn wir dem Streben nach Macht, der Ausbeutung von Mensch und Natur, dem Klimawandel und dem Krieg nicht länger mit Gleichgültigkeit begegnen – und stattdessen die Bedürfnisse und Lebensrealitäten ganz gewöhnlicher Menschen wieder zum Maßstab machen? „Peopleized“ ist ein Kunstwort der Band und beschreibt genau diese Haltung: keine fertige Lösung, sondern eine Forderung, ein Prozess, eine fortwährende Suche.
THE INTERSPHERE – Christoph Hessler (Gesang, Gitarre), Thomas Zipner (Gitarre), Moritz Müller (Schlagzeug) und Daniel Weber (Bass) – gehören seit Jahren zu den prägendsten Namen des deutschen Alternative Rock. Nach „Interspheres >< Atmospheres (2009) und „Hold On, Liberty!“ (2012) erweiterte das Quartett mit „Relations In The Unseen“ (2014) und „The Grand Delusion“ (2018) kontinuierlich sein musikalisches Spektrum. 2023 folgte mit „Wanderer“ zuletzt ein Album, das stark nach innen gerichtet war. „Peopleized“ schlägt nun konsequent den Bogen nach außen – auf eine Welt, die sich mit erschreckender Geschwindigkeit selbst zu entfremden scheint, ohne die persönliche Ebene dabei ganz aus den Augen zu verlieren.
Songs wie „Blind Spot“ handeln von Verdrängung und alten Machtstrukturen, die sich immer wieder neu legitimieren – und von der Frage, wie viel Verantwortung man bereit ist zu übernehmen, während man selbst längst die nächste Ausrede sucht. Zwischen Kriegsrhetorik, Dauerbeschallung durch Nachrichten und einem diffusen Gefühl der Ohnmacht entsteht das Bild einer Gesellschaft, die sich lieber hinter der nächsten Schlagzeile versteckt, als konsequent hinzusehen.
„Circular“ wiederum kreist um das ambivalente Verhältnis zwischen Mensch und Maschine – eine Beziehung, die sich wie Zuneigung anfühlt und doch zunehmend wie Abhängigkeit funktioniert. Es geht um Kontrollverlust, um die Frage, was von echter Kreativität bleibt, wenn sich Kunst immer müheloser künstlich reproduzieren lässt, und letztlich darum, wem hier eigentlich wer gehört.
In „Time To Deliver“ verdichtet sich all das noch einmal auf sehr persönliche Weise: Aufschub, die Last unerledigter Entscheidungen, ein Kopf voller Chaos – und immer wieder dieser eine Satz, der sich nicht abschütteln lässt: Es ist Zeit, zu liefern. Doch das Chaos ist bei THE INTERSPHERE nie nur Last, sondern auch Ausgangspunkt: der Boden, auf dem sich etwas Neues aufbauen lässt, sobald man aufhört, ihm auszuweichen. Der Song lässt sich dabei auch als Gesellschaftsbild lesen – von einem Land, das von einer Krise in die nächste taumelt, weil zu lange niemand rechtzeitig gehandelt hat. Und doch liegt gerade darin eine Chance: sich von Narzissten, Kriegstreibern und Ausbeutern zu befreien und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
Musikalisch bleibt sich die Band dabei treu und bewegt sich zugleich hörbar weiter: große Refrains und dramatische Spannungsbögen treffen auf eine vielschichtige, explorative Klangsprache. Immer wieder in einem Atemzug mit Bands wie Biffy Clyro, Muse, Royal Blood oder Thrice genannt, gehört das Quartett längst zu den prägendsten Stimmen des deutschen Alternative Rock.
Mit „Peopleized“ liefern THE INTERSPHERE kein Album der einfachen Antworten, sondern eines der drängenden Fragen – schonungslos in der Beobachtung, kompromisslos im Sound. Ein Album, das nicht resigniert, sondern aufbegehrt: für alle, die längst das Gefühl haben, in einer Welt aus Interessen und Systemen selbst zur Randnotiz geworden zu sein.